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Familienforschung in Schweden


Das Staatswappen von Schweden.
Die schwedische Hauptstadt ist Stockholm.

Inhalt:

1.Was verstehen wir unter Schweden? 6.Schwedische Vereine für Familienforschung.
2.Wie fängt man an? 7.Schwedische Computergenealogie.
3.Die Kirchenbücher und SVAR in Schweden. 8.Forscherhilfe und Auftragsforschung für den Schwedenforscher.
4.Die Archive und ihre Organisation. 9.Wenn Sie Schweden besuchen.
5.Literatur und Bibliotheken in Schweden.

1. Was verstehen wir unter Schweden?


Schwedenkarte 1560 - 2001

Schweden bekam 1561 den nördlichen Teil von Estland, eroberte 1621 Livland und beherrschte um 1629-35 viele Plätze entlang der Küste von Estland bis Lübeck. Beim Frieden von Brömsebro 1645 erhielt Schweden Ösel und Jämtland und der Frieden 1658 machte Skåne, Blekinge und Halland schwedisch. Eigentlich auch Bornholm aber die Insel musste man 1660 zurückgeben.

Beim westfälischen Frieden 1648 erhielt Schweden Vorpommern und einen Teil von Hinterpommern mit der Stadt Stettin, die Inseln Rügen, Usedom und Wollin, die Stadt Wismar und Bremen-Verden, jedoch nicht die Stadt Bremen. In Wirklichkeit gab es schwedische Truppen in vielen deutschen Städten auch im Jahr 1653.

Wichtig zu notieren ist, dass Finnland ein Teil von Schweden war bis 1809. Die finnischen Kirchenbücher sind auch danach in der schwedischen Sprache geführt. Wer schwedische Ahnen sucht, darf nicht vergessen auch in Finnland und im Baltikum zu suchen.

Erst 1814 verließ Schweden die letzten Gebiete auf dem europäischen Kontinent. Auf der Landkarte ist mit gelb angegeben, welche Gebiete zu den verschiedenen Zeitpunkten schwedisch waren.

2. Wie fängt man an?


Bevor man in den schwedischen Archiven zu suchen beginnt, sollte man so viele Angaben wie möglich über die gesuchten Personen sammeln. Die meisten Dokumente sowie Beständeübersichten und Anweisungen sind nur auf schwedisch. In der schwedischen Sprache gibt es aber viele gemeinsame Wörter mit der deutschen und vor allem der plattdeutschen Sprache. Ein einfaches schwedisch-deutsches Wörterbuch leistet gute Dienste. Wir haben auf dieser Web-Seite einige Hilfstexte in deutscher Sprache für Anweisungen u.s.w., die man braucht, um Zugang zu wichtigen Dokumenten zu bekommen.

Außer der Sprache ist es auch wichtig, daß man sich ein gutes Bild über die schwedische Geographie macht und in welchem Teil des Landes die Vorfahren zu suchen sind. Schweden besteht aus 24 Bezirken (län), die in Gemeinden (kommuner) aufgeteilt sind. Diese Gemeinden bestehen wiederum aus einer oder mehreren kirchlichen Gemeinden (församlingar), welche die Einheit für das schwedische Meldewesen von alten Zeiten bis heute darstellen. Versuchen Sie deshalb herauszufinden von welcher schwedischen Gemeinde (Sveriges församlingar genom tiderna) Ihre Ahnen kommen könnten. Es gibt eine schwedische Ortsdatenbank und eine suchbare Landkarte im Internet.

In Schweden gibt es ein gesetzliches Öffentlichkeitsprinzip. Das bedeutet, daß alle staatlichen und kommunalen Akten offen sind. Jeder hat das Recht, davon Kenntnis zu nehmen. Nur geheime Akten sind nicht zugänglich.

Deutsche evangelische Gemeinden gibt es oder gab es in folgenden 6 schwedischen Städten: Göteborg, Kalmar, Karlskrona, Malmö, Norrköping und Stockholm.

Wenn auch die Sprache ein Problem ist, so ist der Zugang zu den schwedischen Kirchenbüchern (Personenstandsregistern) desto einfacher. Alle Kirchenbücher von den Gemeinden in Schweden sind bis 1895 von den Mormonen auf Mikrofilm aufgenommen und stehen dort im genealogischen Zentrum zur Verfügung.

3. Die Kirchenbücher und SVAR in Schweden.


Landesarchiv in Schweden
Die wichtigste Quelle für Familienforscher in Schweden sind die Kirchenbücher. Diese gibt es im Original in den schwedischen Landesarchiven und sind dort kostenlos für Forscher zugänglich. Die ältesten Bücher gibt es aber nur auf Mikrofiche. Die Landesarchive, die alle dem Reichsarchiv (Riksarkivet) unterstellt sind, haben die Archivalien für ihre eigenen geographischen Gebiete und befinden sich in:

Mikrofiche über alle schwedischen Kirchenbücher kann man kostenlos im Reichsarchiv in Ramsele und in Arninge (20 km nördlich von Stockholm) benutzen. Man kann auch gegen Gebühr im Haus der Familienforscher ( Släktforskarnas Hus) in Leksand und im Familienforschungszentrum in Kyrkhult forschen. Släktforskarnas Hus nimmt außerdem Auftragsforschung an.

Man kann selbst alle Kirchenbücher auf Mikrokarten kaufen, und diese über Internet bestellen. SVAR, Svensk arkivinformation, ist eine Abteilung innerhalb des Riksarkivet. SVAR hat eine Web-Seite für u. a. Bestellung von den mikroverfilmten Kirchenbüchern für ganz Schweden.

Die Kirchenbücher bestehen aus:

Zur Zeit führt die Firma Genline ein Projekt durch, das darauf hinzielt, daß alle alten, schwedischen Kirchenbücher lesbar im Internet zugänglich werden. Mit Hilfe dieser Funktion, die im Abonnement erhältlich ist, kann man die Kirchenbücher direkt auf dem eigenen Bildschirm einsehen. Bis jetzt sind die Bezirke Kalmar län, Östergötlands län, Värmlands län, Kronobergs län und Göteborg & Bohuslän zugänglich. Die Gemeinde Högsby im Bezirk Kalmar län kann man kostenlos studieren, um eine Vorstellung zu bekommen, wie dieses System funktioniert.

Außer diesen 3 Kirchenbüchern gibt es noch einige andere, die wertvoll für den Familienforscher sind. Das wichtigste Buch ist die Einwohnerliste (Husförhörslängden), alle Mitglieder eines Haushaltes zum Zeitpunkt der (jährlichen) kirchlichen Unterweisung im Haus (husförhör) enthalten. Hier sind nicht nur die Familienmitglieder, sondern auch die Dienstleute aufgezeichnet. Die Husförhörslängden sind auf dem Lande nach Dörfern und Höfen eingeteilt und in den Städten in Viertel. Man kann hier auch sehen, woher und wohin Leute gezogen sind. Seit 1800 gibt es für viele Gemeinden ein besonderes Einzugsregister (Inflyttningslängd) und Auszugsregister (Utflyttningslängd), wo man die Umzüge von Personen verfolgen kann.

Alle diese Kirchenbücher gibt es auf Mikrofiche bei SVAR. In deren Katalog haben die Kirchenbücher folgende Bezeichnungen:

Die Gemeinden sollen alle alten Kirchenbücher an die Landesarchive senden. Sollte dieses nicht geschehen sein, welches bei den Büchern aus dem 20. Jahrhundert vorkommen kann, muß man die Gemeinde (församlingen) direkt ansprechen.

Ab 1990 wird in Schweden das Meldewesen durch die Steuerbehörde, Riksskatteverket gefürt. Und ab 2000 haben wir keine Staatskirche mehr. Man kann alle Menschen in Schweden durch Riksskatteverket suchen. In Schweden gibt es ein Öffentlichkeitsprinzip. Alle können alles sehen. Kein Geheimnis und nur wenige Ausnahmen.

4. Die Archive und ihre Organisation.


Man kann auch Angaben über die Nachkommen einer Person im Nachlaßverzeichnis (bouppteckning) finden. Diese wurden bei dem Gericht eingeliefert, zu dem der Wohnort des Verstorbenen gehörte. Die Nachlaßverzeichnisse findet man in den Gerichtsbüchern (dombok) im jeweiligen Landesarchiv. Viele dieser Nachlaßverzeichnisse gibt es auch als Mikrofiche und man kann diese bei SVAR bestellen.

Im Riksarkivet kann man alle Einwohnerlisten (mantalslängder) und die Angaben für die Einwohnerlisten (mantalsuppgifter) für ganz Schweden finden. Jedes Jahr im November hat jeder Haushalt in Schweden Auskünfte über die Familie und Angestellte eingeliefert. Hier findet man auch regelmässig Unterschriften von den Auskunftgebern. Man hat angefangen, diese Einwohnerlisten auf Mikrokarten herzustellen und diese kann man ebenso über SVAR bestellen oder mieten.

Im Reichsarchiv (Riksarkivet) in Stockholm gibt es eine große Sammlung von Archivalien von früheren schwedischen Gebieten im heutigen Deutschland, u.a. von Pommern.

Ein anderes wichtiges Archiv für Ahnenforscher ist das Kriegsarchiv (Krigsarkivet) in Stockholm, welches jetzt dem Reichsarchiv unterstellt ist. Im Kriegsarchiv gibt es u.a. Angaben über Soldaten und Offiziere in schwedischen Regimenten in den sogenannten "Generalinspektionsrollen" (Generalmönstringrullorna). Viele dieser Rollen kann man als Mikrofiche bei SVAR bestellen.

Außerdem gibt es in jeder Gemeinde ein Gemeindearchiv mit Material vom späten Teil des 19. Jahrhunderts und bis heute.

Emigrantenarchive gibt es in Växjö und Karlstad. Das meiste Material dort berührt jedoch die Emigration von Schweden nach Amerika.

5. Literatur und Bibliotheken in Schweden.


Es gibt keine Literatur in deutscher Sprache über Familienforschung in Schweden. Dagegen gibt es in den schwedischen Bibliotheken viel Literatur, die eine große Hilfe für deutsche Ahnenforscher sein kann.

Eine große Auswahl von genealogischer Literatur gibt es im Reichsarchiv und in der Königlichen Bibliothek (Kungliga biblioteket) in Stockholm. Libris ist ein Bibliothekssuchdienst, den man benutzen kann, um Literatur in den schwedischen Forschungsbibliotheken zu suchen. Die Suche dort ist sehr einfach und man braucht keine großen Kenntnisse in der schwedischen Sprache.

Der älteste Familienforscherverein in Schweden - Genealogiska Föreningen (GF) in Stockholm mit seinem großen Archiv der Familienforscher (Släktforskarnas arkiv) hat auch eine umfangreiche Bibliothek und außerdem eine große Anzahl von Archivalien.

6. Schwedische Vereine für Familienforschung.


In Schweden gibt es eine große Anzahl von Vereinen für Familienforscher. Diese kann man einteilen in: reichsdeckende und örtliche. Einige der wichtigeren reichsdeckenden Vereine für deutsche Familienforscher mit Interesse für Schweden:

Einige der größeren regionalen oder örtlichen Familienforschervereinen in Schweden:

Wenn man schon so weit in seiner schwedischen Familienforschung gekommen ist, daß man seine Ahnen in einem speziellen Ort oder begrenzten geographischen Gebiet sucht, kann man mit Gewinn einem örtlichen Familienforscherverein beitreten. Angaben über verschiedene Vereine gibt es bei Sveriges Släktforskarförbund.

7. Schwedische Computergenealogie.


Außer den alten Methoden Familienforschung zu betreiben - Archive und Bibliotheken anschreiben oder besuchen und Kontakte mit anderen Forschern oder Vereinen zu haben - gibt es seit einigen Jahren auch die Computergenealogie, die den Familienforschern große Möglichkeiten bietet. Wir befinden uns erst am Anfang dieser neuen Technik. Es gibt die ganze Zeit Veränderungen und Entwicklung. In diesem Abschnitt finden wir zwei Teile der Computergenealogie, nämlich CD-ROM und Internet und deren Einfluß auf die Arbeit und Möglichkeiten für den deutschen Ahnenforscher seine schwedischen Familienzweige zu erforschen.

CD-ROM

Das Telefonbuch ist ein wichtiges Hilfsmittel um heute noch lebende Verwandte zu finden. In Schweden gibt es den Telefonkatalog im Internet und ebenso als CD-ROM von Telia.

Verschiedene Vereine und Institutionen geben auch CD-ROM für Familienforscher heraus:

Falls man selbst keine umfassende Forschung in Schweden hat und deshalb keine dieser CD-ROM kaufen möchte, kann man Fragen dieser Art an die vorgeschlagenen Diskussionslisten stellen, z.B. an die Liste der G-Gruppe. Sie bekommen ganz sicher eine Antwort.

Internet

Es gibt viele interessante Web-Seiten für den Ahnenforscher im Internet, und es kommen immer wieder neue dazu. Hier ist eine kleine Auswahl von den allgemeingültigen Web-Seiten für jemanden, der Schweden als Forschungsgebiet hat. Für den deutschen Forscher gibt es einige, die auch deutschen Text haben.

Diskussionslisten

Was die Diskussionslisten anbelangt, haben wir nur einige wenige aus der großen Menge herausgesucht. Wir haben folgende Kriterien aufgestellt: Man soll auf deutsch schreiben können und die Fragen sollen hauptsächlich die Migration zwischen Deutschland und den nordischen Ländern behandeln, oder es ist die größte Liste für ein Gebiet.

Auf CD-ROM und im Internet gibt es viele neue Hilfsmittel für den Familienforscher. Die Entwicklung geht schnell voran, neue CDs kommen heraus, die Web-Seiten werden besser und neue Diskussionslisten tauchen die ganze Zeit auf. Deshalb ist es nicht so einfach, immer auf dem laufenden zu sein. Falls Sie etwas entdecken, was noch auf unserer Seite fehlt, lassen Sie es uns bitte wissen.

8. Forscherhilfe und Auftragsforschung für den Schwedenforscher.


Hat man eine Frage z.B. an die Diskussionsliste der G-Gruppe gestellt, kommt vermutlich Hilfe von anderen Listenteilnehmern. Das Personal bei den schwedischen Reichs- und Landesarchiven ist auch oft sehr hilfsbereit, wenn die Arbeit jedoch umfangreich ist, wird eine Gebühr verlangt.

Empfehlungen über reine Auftragsforscher können oft vom Personal in den schwedischen staatlichen Archiven gegeben werden. Von diesen tüchtigen Auftragsforschern können Sie Hilfe zu mäßigen Preisen bekommen. Släktforskarnas Hus in Leksand führt auch Auftragsforschung zu festen Preisen aus.

9. Wenn Sie Schweden besuchen.


Am besten ist es, wenn man die Forschung am Ort betreiben kann. Wer also nach Ahnen in Schweden sucht, sollte deshalb auch die Forschung in Schweden machen. Der Zugang zu den Archivalien in Schweden ist in den meisten Fällen kostenlos, es kann aber trotzdem teuer werden auf Grund der Kosten für die Reise und den Aufenthalt. Um diese Ausgaben niedrig zu halten, sollte man die Vorbereitungen so sorgfältig wie möglich machen, so daß der Aufenthalt im fremden Ort kurz bleibt.

Das billigste Wohnen ist in der Jugendherberge (vandrarhem). Der schwedische Touristenverein (Svenska turistföreningen) hat solche Herbergen im ganzen Lande. Dort kann man im 2- oder 4-Bett-Zimmer wohnen. Hier bringt man selbst seine Bettlaken und Handtücher mit. Als Mitgleid im Touristenverein bekommt man Rabatt. Eine Mitgliedschaft kann man in allen Herbergen des Touristenvereins lösen. Es lohnt sich, Mitglied zu werden, wenn man länger als 3 Nächte in der Herberge wohnt.

Möchte man lieber im Hotel wohnen, kann man diese auf der Homepage des Ortes unter "Turism", "Boende"oder "Mat och husrum" finden. Es kann auch sein, daß das örtliche Archiv Auskunft über eine geeignete Einquartierung geben kann.

Diese Web-Seite hatte Besucher seit dem 24. Juli 2001.



Stand 14. Januar 2005. Copyright © 1999-2005 Lars Craemer.